Donnerstag, 10. Oktober 2013

Zwei Briefe:





Am 26.09.2013 schreibt der Bürgerbeauftragte:

Sehr geehrte Frau Rabenschlag,
inzwischen hat ihre Eingabe dem Petitionsausschuss des Landtags vorgelegen.
Dieser hat sich in seiner Sitzung vom 10.09.2013 eingehend damit befasst
und abschließend festgestellt,
dass Ihrem Anliegen nicht entsprochen werden kann .

Die Gründe dafür,
denen sich der Petitionsausschuss bei seiner Entscheidung angeschlossen hat,
habe ich Ihnen bereits mit Schreiben vom 07.01. und 25.02.2013 mitgeteilt.
Hierauf möchte ich Bezug nehmen.

Auch der Petitionsausschuss sah nach der nochmaligen Überprüfung Ihrer Angelegenheit
keine Möglichkeit für eine einvernehmliche Lösung.

Bitte verstehen Sie, dass ich Ihnen keinen anderen Bescheid geben kann.
Auch unter Berücksichtigung der Besonderheiten Ihres Einzelfalles
war eine Regelung in Ihrem Sinne nicht möglich.

Mit freundlichen Grüßen

Dieter Burgard


 *

Das Kind schreibt:

Lieber Herr Burgard,
ich weiß gar nicht, wer du bist,
aber du hast was von mir geschrieben.
Weißt du, wer ich bin?

Liebe Frauen vom Jugendamt,
liebe Richter,
ich weiß gar nicht, wer ihr seid,
aber ihr habt was von mir geschrieben.
Wisst ihr, wer ich bin?

Ihr schreibt von einem Anliegen.
Wisst ihr, was mein Herzensanliegen ist?

Ihr schreibt von einer Angelegenheit.
Wisst ihr, wo ich anlegen will?

Ihr schreibt von Gesetzen.
Wisst ihr, wo ich sitzen will?

Ihr schreibt von Kindeswohl.
Wisst ihr, wo es mir am allerwohlsten auf der Welt war?

Ihr wollt die Bestimmer sein.
Hört ihr meine Stimme???





*

Kommentare:

  1. Wenn doch Lucas Stimme gehört werden würde. - Was habt ihr dem Petitionsausschuss getan, dass sie eure Wünsche nicht berücksichtigen? - Wüsste ich nicht, dass es Deutschland ist, ich würde vermuten, das alles spielt in Hinterkurdistan oder so.
    Liebe Grüße zu dir von Clara

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    1. Ja, Himmelhohe, unsere Wünsche werden nicht berücksichtigt, aber "Geschädigter" ist das Kind. Kann das mal endlich jemand verstehen? WIr sind die Erwachsenen, ich kann trauern und meine Trauer bewegen und kommunizieren und umsetzen. ABer wer hilft dem Kind in seiner Trauer? Wer spricht wenigstens mit ihm über den Verlust? Wer kann eingestehen, dass das Kind einen Verlust erlitten hat?

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  2. Ich verfolge eure Geschichte von Anfang an und weine mit euch. Und vor allem mit L. Ich bin einfach nur fassungslos angesichts dieser Unmenschlichkeit.

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    1. Danke, Lilly. - Was trennt uns nur voneinander? Auf der einen Seite die Menschen, die ohne viele Worte verstehen, was einem Kind hier geschehen ist; auf der anderen Seite die Menschen, die das Leid verursachten in dem vermeintlichen Glauben an - an was eigentlich?

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  3. Es gibt wohl leider Menschen, die all den schönen Theorien, die man Ihnen im Rahmen ihrer Ausbildung beigebracht hat, blind, unreflektiert und kritiklos, fast wie Jünger einer Sekte folgen, ohne sie je auf ihren tatsächlichen Wahrheitsgehalt und ihre Praxistauglichkeit hin hinterfragt zu haben.
    Zusätzlich halten gerade diese ein mangelndes Gespür für Recht und Unrecht, für ein gesundes Maß, für angemessenes Handeln, für alles, was sie diametral zum gesunden Menschenverstand anordnen, ja , selbst gnadenlose Herzlosigkeit in einer gewissen Hybris auch noch für einen Ausdruck ihres unbestechlichen neutralen Blicks und ihrer Professionalität.
    Und wieder andere erkennen diese genau so unreflektiert und kritiklos an.
    Wie es so bequemer ist?
    Ich habe keine andere Erklärung.
    Noch weniger kann ich mir erklären, warum man solche Menschen immer mal wieder in Schlüsselpositionen antrifft.
    Auch lese hier schon lange mit und bin erschüttert darüber, was "Fachleute" diesem Kind sehenden Auges antun.

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    1. Dieser Brief, wie auch die vielen anderen sogenannten Stellungnahmen und Berichte der Behörden, sind das Papier nicht wert, auf dem sie stehen. Eine Worthülsenansammlung - mehr nicht! Hätte ich angefragt, ob denn z.B. bei uns am Morgen die Straßenlampen eine Stunde früher ausgehen könnten, würde man mit denselben Worten die Antwort verfassen können. "Auch unter Berücksichtigung der Besonderheiten meines Einzelfalles" - eben die sind gerade nicht berücksichtigt worden. Abgesehen davon sind es keine Besonderheiten. Dass ein Kind, das als Säugling in eine Pflegefamilie kam und dort vier Jahre ununterbrochen lebte, in seinen Bindungen zu schützen ist, dafür gibt es ja eine gesetztliche Regelung. Sie wurde hier nur permanent schamlos umgangen. Geltendes Recht wurde ganz einfach nicht angewendet, und weil wir das sahen, mussten wir so radikal ausgeblendet werden.-
      Ab wann heißt das "Verbrechen"? Verbrechen an der Seele des Kindes? Kindesseelenmisshandlung? -
      Danke, Anka, dein Kommentar hat mich angeregt, dies zu schreiben.

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  4. Ich kann einfach nur weinen. Es tut mir so leid. Alles. Vor allem aber das Kind.

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    1. Alle guten Gedanken für Luca sind nicht vergeblich!

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