Dienstag, 5. November 2013

"Nicht müde werden..."



                                                                                           Lambrecht, am 4. November 2013

 
Sehr geehrter Herr Burgard,


ein weiteres Mal teile ich Ihnen mit, dass ich mit der Vorgehensweise des Jugendamtes Rhein-Pfalz-Kreis und des Ludwigshafener Zentrums für individuelle Erziehungshilfen (LuZIE) nicht einverstanden bin, dass von diesen Behörden im Falle unseres Pflegekindes L. eine extreme Gefährdung des Kindeswohles ausging und die Fürsorgepflicht verletzt wurde.

Mir liegt das Schreiben des Jugendamtes Kaufbeuren vor (wie ich Ihnen bereits mitteilte), das von einer Traumatisierung des Kindes spricht, von Einkoten, von sexualisiertem Verhalten, von gehemmtem und zurückhaltenden Auftreten, von Kontaktschwierigkeiten zu anderen Kindern. Dies alles sind psychologisch gesehen völlig verständliche Verhaltensweisen, ja Hilferufe dieser verletzten Kinderseele!

Das Kind L. war, solange es sich in unserem Haushalt befand, in all diesen Punkten nicht auffällig!! Es war fröhlich und offen zu Freunden und Bekannten, es trug altersgemäß schon lange keine Windeln mehr und besuchte den Regelkindergarten.

Die Berichte, die das Jugendamt des Rhein-Pfalz-Kreises sowie das LuZIE für das Amtsgericht Kaufbeuren im August 2013 erstellten, beweisen, dass diese Behörden völlig unzureichend informiert waren darüber, wie das „Experiment L.“ weitab von einer Aufsicht der zuständigen Behörden misslang.

Unsere Petition haben mit dem heutigen Tag 829 Menschen unterschrieben.

Jeder dieser Menschen versteht ohne Fachbildung, dass diesem Kind ein großes Leid geschehen ist, wenn auch unter dem Deckmantel der Behörden und Gerichte.

Jeder dieser Menschen wünscht dem Kind, dass es uns wiedersehen darf und so die Wunde seiner Kinderseele eine Heilungschance erhält.
 

Lesen Sie gerne auf der Petitionsseite die Kommentare der Unterzeichner: hier


Ich sage es hier noch einmal: L. ist zu uns eine Verhältnis eingegangen, wie es ein Kind, das bei seinen leiblichen Eltern aufwächst, mit diesen eingeht. Und jedes Kind, das seine Eltern verliert, wird für bedauernswert angesehen wegen dieses schlimmen Verlustes.

Blutsverwandschaft und Milieubindung und – das schlagendste Argument – Kostenersparnis wurden höher bewertet als der Schutz eines bereits im Säuglingsalter verletzten Kinderlebens. Das „Objekt Kind“ wurde abtransportiert und, nach Zwischenlagerung in einer fremden Pflegestelle, umquartiert.


Nein, ich bin nicht einverstanden mit den bisherigen Antworten, die wir von Ihnen erhielten. 
Im Namen des Kindes bin ich nicht damit einverstanden!


Ich verlange, dass die Fehleinschätzung, die vom Jugendamt Rhein-Pfalz-Kreis und vom LuZIE getätigt wurde, in eine Stellungnahme korrigiert wird, die die versuchte Rückführung als misslungen erklärt und so dem Kind die Bindung an uns, seine soziale Familie, nicht weiter vorenthalten wird.

Ich füge diesem Schreiben stellvertretend zwei Leserbriefe aus der „RHEINPFALZ“ bei.



Mit freundlichen Grüßen


Stefanie Rabenschlag



Lesebrief vom 18.10.2013


 
Leserbrief vom 30.10.2013



Emailadresse des Bürgerbeauftragten:

poststelle@derbuergerbeauftragte.rlp.de
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Kommentare:

  1. Bitte, Herr Burgard, hören und lesen Sie diese Stimmen. Ich bin mit Ihren Antworten bisher auch nicht einverstanden.
    Freundliche Grüße

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    1. Einer müsste "Halt!" rufen. Einer. Dann bliebe dieser Zug stehen.

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  2. Sollte Herr Burgard diese Zeilen wirklich lesen, dann möge er sich bitte eindringlich noch einmal die Entscheidungen durch den Kopf gehen lassen, die als Konsequenz (die vorhersehbar war!!) weitere tiefe Traumatisierungen bei L. verursacht haben. Es geht nicht darum, was Herr Burgard persönlich denkt und meint, er möge bitte endlich die Fakten betrachten und einsehen, dass hier "das Recht" nicht richtig gehandelt hat. Es darf keine Zeit mehr verloren gehen, jeder Tag ist eine neue Wunde für das Kind, den es in seiner für ihn ausweglosen Situation verbringen muss. Handeln Sie bitte und lassen Sie keine Experimente mehr zur! Bitte!

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    1. Liebe Klaudia, diese Zeilen gingen am Montag als Brief an Herrn Burgard raus. Irgendein Mitarbeiter wird sie schon lesen.-
      Zuerst hat man sich auf "das Recht" berufen, dann auf das nicht mehr Zuständigsein.
      Eine Kette von Taten wurde erzeugt, doch jedes Glied der Kette beruft sich auf ein anderes Glied.
      Wer ist es, der "sich losreißt" aus diesen Verknüpfungen und ein eigenes Wort spricht?

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  3. Ja, ich hoffe so sehr auf ein sehr starkes und gutes Wort, das alles bisherige wieder gut machen kann, ein Wort, das mehr ist als nur ein Wort, ein Wort, dem Taten folgen. Man kann sich sehr gut verstecken hinter dem Wort "Nicht-Zuständigsein", aber wie lange noch? Genau das ist der Punkt, solange sich alle hinter ihren Handbüchern verstecken und sich nicht losreissen trauen, wird der Kreis nicht unterbrochen werden. Aber ich spüre, dass es den oder diejenige gibt, die den Mut haben wird, diese Verknüpfungen aufzureissen. Das letzte Wort ist nicht gesprochen!

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    1. Jetzt habe ich Herzklopfen bekommen von deinem Wort, Klaudia. Danke!

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  4. Scheinbar wird hier nur auf das Gesetz geachtet. Dieses Verhalten hat nichts mehr mit Menschlichkeit zum Wohl des unverschuldet in diese Situation geratenen Kindes zu tun. Hier muss man als Familienvater, was Herr Burgard sicherlich auch ist, einfach mal auf das Herz hören und an den gesunden Menschenverstand appelieren. Jedes Kind soll Kind sein dürfen und nicht der Willkür Deutscher Ämter ausgesetzt werden. Herr Burgard, tun Sie zum Wohle des Kindes das einzigst Richtige, und zwar die gewohnte Umgebung des Kindes wieder herstellen, in welchem es sich entwickeln und heranwachsen kann.

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  5. Sehr geehrter Herr Burgard,
    nur eine einzige Frage: "Wäre L. Ihr eigenes Kind, würden Sie dann ganz genau so entscheiden?" - Wenn nicht, warum muss dann der kleine L. dieses Behördengerangel zum Zwecke der Geldeinsparung über sich ergehen lassen? Nicht um Gnade bitten die ganzen Unterzeichner der Petition, denn Sie sind keine göttliche Instanz, sondern nur um Gerechtigkeit und Menschlichkeit. Mehr ist nicht nötig.
    Das schreibt Ihnen eine Oma, die die Wände hochgehen und dann wie eine Löwin kämpfen würde, wenn das einem ihrer Enkelkinder passieren würde.

    Stefanie, du solltest deinen Header ändern und dir nicht einen Baum, sondern den kleinen L. wünschen.

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    1. Liebe Christine, die Worte vom "Baum herzaubern "aus dem Header entstanden so:
      Nachdem L. hier auf der Straße weggeholt und in eine fremde Pflegefamilie gebracht worden war, haben wir gleich am nächsten Tag bei Gericht den Antrag gestellt. dass er zu uns zurück soll (ich weiß jetzt gerade nicht mehr, wie das juristisch heißt). Mehr als zwei Wochen danach gab es eine mündliche Verhandlung dazu. L. wurde vom Richter angehört. Der Richter fragte das geschockte Kind: "Wenn du etwas herzaubern könntest, was wäre das?" Darauf sagte L.: "Einen Baum." - Daraus schloss der Richter, dass L. nicht uns wünschte, sonst hätte er das ja gesagt...

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    2. Kurze Zeit darauf begann ich, dieses Blog zu schreiben und entdeckte ein Foto, das auf unserem Waldspazierweg entstanden war und eben einen Baum zeigt, auf den ein Herz gemalt ist. So entstand der Name "HerzBaum".
      Und jetzt, eben in diesem Moment, Christine, da ich auf deinen Kommentar antworte, entdecke ich, dass "HERZaubern" ja auch mit "HERZ" anfängt. - HERZaubern? BAUM! - HerzBaum.

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  6. Ich verfolge das hier nun seit dem Moment mit, wo mir die Petition bekannt wurde. Entsetzen schüttelt mich, über das Leid, das hier auf so vielfältige Weise verursacht wird. Abscheu, über die Betriebsblindheit und Paragraphenreiterei, sowie das krude System, in dem es vorrangig um Geld zu gehen scheint, denn um das Wohl der Kinderseele.

    Wann wird dieser Alptraum endlich ein Ende für euch und besonders für L. haben??? Ich bin Überlebende von seelischer und körperlicher Gewalt, erst nach 34 Jahren konnte ich mich daraus befreien. Und das Leid, das L. hier zugefügt wird, triggert mich. Sehr! Es ist mir unbegreiflich, wie hier offenbar mit dicken Scheuklappen der schnellste Weg gegangen wird, statt alle Fakten genau anzusehen. Statt das Kind genau anzusehen und ihm genau zuzuhören... Statt zu fragen, wie er das mit dem Baum meint, wird erleichtert der Stempel gezückt und "abgelehnt" auf die Akte gepappt. Klappe zu, endlich Ruh. Zum Würgen...

    Ich wünsche euch so sehr, daß endlich jemand bei den zuständigen Behörden aufwacht und den Mumm hat für die Menschlichkeit einzutreten.

    L. wünsche ich, daß er es schafft seine kleine Seele zu schützen, damit sie überleben kann. Ich wünsche ihm, daß er mitbekommt, wie viele Menschen mit seiner Situation nicht einverstanden sind, und die um ihn kämpfen.

    40 Jahre alt bin ich nun. Aber wenn ich von solchen Fällen erfahre, werde ich direkt in die Jahre meines Martyriums zurückgeschleudert, alle Gefühle, alle Verzweiflung und innere Not läßt mich dann nach Luft schnappen. Warum passiert solche Gewalt an Kinderseelen immer, und immer wieder? :'(

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    1. Liebe Claudia, ich bin sehr berührt und sehr dankbar, dass du so offen schreibst. - Niemand der beteilgten bisherigen Entscheider hielt das, was sie mit L. planten und ausführten, für Gewalt. Die ganze Geschichte ist ja noch viel ausführlicher. Längst nicht alles habe ich bisher hier aufgeschrieben. - Bereits im Oktober 2011 entschied der Amtsrichter in Speyer, dass L. ganz plötzlich und unvorbereitet vier Stunden jeden Samstagnachmittag vom Familienhelfer und der leiblichen Mutter bei uns abgeholt werden sollte und "weggebracht" in die Herkunftsfamilie. Ich durfte nicht mitfahren. Ich kann nicht beschreiben, wie sehr L. damals schon weinte, als ich ihn in das Auto des Familienhelfers setzen musste und sie davon fuhren. "Und du, fährst du nicht mit?", weinte L.mich an. Eine Nachbarin war Zeugin. - Ich meldete dem Jugendamt zurück, dass es sehr schwer war für L. "Sie sind nicht professionell, Frau Rabenschlag!", war die Antwort. Am darauffolgenden Samstag die gleiche Geschichte, mit dem Unterschied, dass L. diesmal eine Vorstellung davon hatte, wie schlimm er sich fühlen würde. Er klammerte weinend an mir, war nicht zu beruhigen, dass schließlich der Familienhelfer sagte, so könne er das Kind nicht mitnehmen.-
      Die Folge daraus war, dass L. nicht mehr allein im Kindergarten bleiben wollte nach diesem traumatisierenden Erlebnis und wir den Kindergartenbesuch ein Jahr zurückstellen mussten.-
      Ach, Kind, was haben sie dir getan? Und warum? Wer gewinnt dabei?

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  7. "L. wurde vom Richter angehört. Der Richter fragte das geschockte Kind: "Wenn du etwas herzaubern könntest, was wäre das?" Darauf sagte L.: "Einen Baum." - Daraus schloss der Richter, dass L. nicht uns wünschte, sonst hätte er das ja gesagt..."
    Es macht mich so zornig, das einen Fünfjährigen in dieser Ausnahmesituation überhaupt so zu fragen, der nicht weiß, was ihm und wie ihm geschieht!! Genauso hätte er sagen können, einen Bagger, das wär auch typisch gewesen ....

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    1. Beim Gerichtstermin am Oberlandesgericht Zweibrücken im Juli 2012 ging die Anhörung des Kindes so vor sich: Ein großer, hoher Gerichtssaal, eine aufregende Situation mit viel Spannung zwischen den Erwachsenen, drei Richter. Das Kind wird aufgerufen; es darf lediglich von seinem sogenannten Verfahrensbeistand begleitet werden, eine Frau, die das Kind nicht kennt. Wir anderen warten draußen. Das Kind verlässt den Gerichtssaal. Der vorsitzende Richter beschreibt, das Kind sei während der Anhörung die ganze Zeit unruhig im großen Saal umhergelaufen und (der Richter witzelt) es habe von seinem Recht der Aussageverweiogerung Gebrauch gemacht. - Das war die Anhörung! Und L. war damals schon über vier und konnte korrekt sprechen, verstehen und sich verständlich äußern!

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  8. Das ist wie in einem ganz, ganz bösen Film, ich hoffe, der Albtraum ist bald, bald zu Ende!

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