Freitag, 17. Juli 2015

Dauerhaft

4. Dezember 2014
"Im Ergebnis befürworten wir Ihren Wunsch Kontakt zu Ihrem ehemaligen Pflegekind aufzunehmen sofern dieser behutsam angebahnt und später regelmäßig und verlässlich stattfinden könnte."
(Jugendamt)

24. Februar 2015
"Es freut mich, dass die Besuche bei dem Kind so gut verlaufen sind und dass Sie die Zeit in K. gut nutzen konnten. (...) Nach Rücksprache mit dem Gruppenleiter haben dem Kind Ihre Besuche sehr gut gefallen und er hat es auch genossen. Allerdings ist sein momentaner Lebensmittelpunkt die Wohngruppe in K. und so soll es die nächste Zeit auch bleiben. Das Kind hat in den vergangenen zwei Jahren sehr viel mitgemacht und viele Wechsel und Veränderungen erleben müssen, so dass es für ihn wichtig ist, in der Wohngruppe anzukommen und diese als sein Zuhause zu akzeptieren. Nach Rücksprache mit meinen Kolleginnen vom Fachdienst sind wir der Meinung, dass bis zu den Sommerferien ein Besuch von Ihnen einmal im Monat ausreichend ist, um das Kind nicht zu sehr durcheinanderzubringen.

An dem Besuchswochenende einmal im Monat können Sie das Kind an beiden Tagen in der Einrichtung besuchen. Die Termine für die monatlichen Besuche vereinbaren Sie bitte mit der Gruppe. Das nächste Besuchswochenende kann somit im März stattfinden. Den Zeitrahmen außerhalb der Einrichtung können wir auf drei bis vier Stunden ausdehnen. Bezüglich eines Besuches des Kindes bei Ihnen können wir gerne vor den Sommerferien sprechen, ich möchte Sie aber bitten, dieses Thema bei dem Kind auszuklammern, solange wir diesbezüglich keine Vereinbarung getroffen haben."
(Vormündin)

5. Mai 2015
"Nach heutigem Gespräch mit  Einrichtungsleitung und Jugendamt wurde entschieden, dass Ihre Besuche ab sofort nicht mehr hier im Haus stattfinden werden.
Ihre Besuche werden in Zukunft von einer externen Fachkraft begleitet  und in anderen Räumlichkeiten erfolgen.
Sobald es hierfür einen Ansprechpartner gibt, wird sich dieser bei Ihnen melden."
(Bezugserzieherin)

8. Mai 2015
"Leider konnten wir Sie nicht früher informieren, da die Absprachen sowohl teamintern als  auch mit dem Jugendamt eine gewisse Zeit beanspruchten. Die begleiteten Umgänge können  nicht  von uns übernommen werden, da dies nicht in unserem Aufgabenbereich liegt. Die Organisation dieser externen Begleitung ist angelaufen und Sie bekommen Bescheid sobald es diesbezüglich Neuigkeiten gibt.
Bei weiteren Rückfragen ist die Vormündin für Sie zuständig."
(Bezugserzieherin)

21. Mai 2015
"Leider haben wir noch nicht die entsprechenden Räumlichkeiten für Ihre Besuche gefunden, wir sind aber am organisieren. Ich bin jetzt dann allerdings im Urlaub und ab dem 1. Juni wieder erreichbar. Wir melden uns bei Ihnen, sobald wir geeignete Räumlichkeiten gefunden haben."
(Vormündin)

13. Juni 2015
"Wegen Besuch kann ich Ihnen leider immer noch nichts neues sagen, habe nur die Info von der Vormündin, dass es noch ein bisschen dauert, wegen Formalitäten. Auch die Zuständigkeit für das Kind wird sich ändern, deshalb ist gerade alles ein wenig langsam und zusätzlich haben sie noch alle Hände voll zu tun, mit den vielen Asylanten. Sobald es Neuigkeiten gibt, werden Sie informiert."
(Bezugserzieherin)

10. Juli 2015
"Ich melde mich hinsichtlich der Besuchskontakte des Kindes bei Ihnen.
Nach Rücksprache mit der Einrichtung kamen wir einvernehmlich zu dem Schluss, dass es für das Wohlbefinden des Kindes besser ist, wenn keine Besuchskontakte mehr mit Ihnen stattfinden. Das Kind war nach den Besuchen von Ihnen oft sehr durcheinander, hat eingenässt und viele Fragen dazu gestellt, wo er denn eigentlich hingehöre. Von unserer Seite besteht der Eindruck, dass Sie Ihre Erwartungen, dass das Kind wieder zu Ihnen zurückkehren könnte, nicht abstellen können. Dies führt bei dem Kind zu einer permanenten Verunsicherung. Fakt ist definitiv, dass es keine Rückführung des Kindes in Ihre Familie geben wird, da dies ein ausdrücklicher Wunsch der Kindesmutter ist (...). Das Kind soll dauerhaft in der Einrichtung bleiben und es fühlt sich dort auch offensichtlich sehr wohl."
(Vormündin)



Ich habe das Kind am 10. April wie gewünscht in der Einrichtung besucht.
Seitdem wurde kein weiterer Besuch gestattet.
Was geschah dort in der Zwischenzeit,
das eine solche Konsequenz nach sich zieht? 


*

Kommentare:

  1. Wie kommentieren, wenn man sprachlos ist?
    Claudiagruß

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  2. Monatelang wird überlegt und getan und auf einmal fällt ihnen auf, dass kein Kontakt besser für das Kind ist?!

    Ich wünsche Dir viel Kraft.

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    1. Danke, die nehme ich gerne :-) !
      Die Kindesmutter wird als Argument vorgeschoben. Das Heim ist sehr klein, da zählt jeder Platz - und zahlt - sich - aus.
      Luca ist ja kein schwieriges Heimkind. Ohne besonderen Aufwand füllt er einen Platz. Das hat man gerne im Betrieb.

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    2. Die einzigen, die dabei stören, sind wir.
      So wurde schon bei der sogenannten Rückführung im Oktober 2012 argumentiert, von der wir ja jetzt wissen, wie erfolglos sie verlaufen ist.
      Auf das Wohl des Kindes!

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  3. Es ist ja nur logisch, dass das Kind nach dem Stattgeben der Kontakte und Wiederaufnahme an seine alten Bindungen anknüpfen wollte, und nachdem diese so abrupt und unter Vorschieben nicht plausibler Argumente wieder abgebrochen wurde, das Kind reagieren musste!! Aber das verstehen anscheinend nur wir, die sich in das Kind hineinversetzen können....

    Ich frage mich schon lange nicht mehr, warum gerade diesem Kind das immer wieder passieren muss! Als hätte man sich auf ihn eingeschossen, dass er ja nicht zu viel glücklich werden darf im Leben oder es ihm zu gut gehen darf.

    Ich wünsch euch an dieser Stelle nochmals viel Kraft, viel Kraft, dass ihr auch die nächsten Schritte wieder gehen und durchstehen könnt.

    Es drückt euch, Klaudia

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    1. Zitat: "Er soll nicht denken, in Lambrecht sei sein Paradies!"
      Dieser Satz wurde wörtlich so gesprochen am 27. März 2015.

      Warum soll er das nicht denken?
      Nach dieser Wucht auf ein junges Kinderleben darf doch auch wieder ein gefühltes Paradies kommen.

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  4. Jetzt wollte ich mal schauen was es neues gibt...Das tut mir so unendlich leid ! Wie machtlos müßt Ihr Euch fühlen im Angesicht einer solcher Willkür. Ich weiß nicht was ich wünschen soll, alles Gute und Liebe, Kraft etc. klingt alles so banal. Ich verfolge Eure Geschichte weiter und mag die Hoffnung auf eine glückliche Wende nicht aufgeben.

    Ich hoffe mit Euch und sende Euch unterstützende Gedanken.

    Liebe Grüße
    D.

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    1. Liebe D.
      wir haben sie auch nie aufgegeben.
      Innerlich tragen wir diese Beständigkeit, diese Hinwendung zu Luca, die Präsens unserer Gedanken um ihn, das Gefühl der Wahrheit, dass er zu uns gehört.

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