Samstag, 25. Oktober 2014

zwei Jahre




Heute sind es zwei Jahre.
Alle guten Gedanken umhüllen heute dieses zarte, verletzliche Schicksal 
und wünschen Heilung und Erfüllung.


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Samstag, 20. September 2014

heute geht's

Diese Seite, diesen Blog zu öffnen geht nicht immer. Geht oft nicht. Technisch schon. Herztechnisch nicht.

Heute geht es wieder, und so stelle ich eine kleine Geschichte ein, die ich am letzten Montag genau so erlebte.



Im Frühförderzentrum, dessen Warteraum ich betrete mit dem Kindchen auf dem Arm, sitzt eine junge Frau. Vom Leben schon gezaust, begrüßt sie mich freundlich. Auch ihr kleiner Junge, der auf dem Teppich spielt, äußert eine Begrüßung.
Ich setzte mich auf einen der Stühle, das Kindchen auf meinem Schoß.
„Wieso kommen Sie denn hierher, der sieht doch so gut aus?“, fragt sie mich nach einem prüfenden Blick auf das Kind. Ich erzähle ein bisschen von Kindchens Geschichte und dass ich die Pflegemutter bin. Ah, die Pflegemutter! Ja, sie hat eine Freundin, deren Kind auch in einer Pflegefamilie lebt. Und sie selbst habe schon Familienhilfe gehabt für sich und ihre drei Kinder.
Sie erzählt mir von den Besonderheiten ihrer Kinder, von ihrer Arbeitssuche, von ihrem Bemühen, alles auf die Reihe zu bringen, von ihrer unschönen Kindheit. „Wenn ich vielleicht in einer Pflegefamilie gelebt hätte und besser gefördert worden wäre, ginge es jetzt bestimmt leichter“, sagt sie schließlich. Dann steht sie auf und nimmt von der Therapeutin die Übungsbögen für ihren Sohn entgegen. -







Donnerstag, 31. Juli 2014

Wie vor Jahr und Tag...

Heute vor zwei Jahren, am 31. Juli 2012, 
wurde von einem deutschen Gericht, dem Oberlandesgericht Zweibrücken,
ein Urteil geschrieben über ein Kind.
Das Kind hatte seine ersten vier Lebenswochen in seiner Herkunftsfamilie verbracht,
war dann schwer erkrankt
und lag bis zu seinem achten Lebensmonat in verschiedenen Krankenhäusern,
dort unbegleitet von seiner Herkunftsfamilie.

Mit acht Monaten kam das Kind in unsere Pflegefamilie
und lebte bei uns vier Jahre,
ununterbrochen, alle Tage, alle Nächte.

Heute vor zwei Jahren, am 31. Juli 2012,
beschloss ein deutsches Gericht, das Oberlandesgericht Zweibrücken,
dass das Kind in seine Herkunftsfamilie "zurückgeführt" werden sollte.

Trotz seiner Entwicklungsverzögerung konnte das Kind deutlich äußern,
dass es nicht von uns weg wollte.
Da das Experiment "Rückführung" in diesem Fall jeglichen Erfahrungen und Erkenntnissen der Bindungspsychologie widersprach,
wurde das Argument erzeugt, wir, seine Pflegefamilie, gefährdeten sein Kindeswohl,
weil wir ihn nicht zu seiner Herkunftsfamilie gehen lassen wollten und für ihn bis zum Oberlandesgericht kämpften.

Aus diesem Grund wurde des Kindes Kindeswohl am 25. Oktober 2012 sicher gestellt,
indem es auf der Straße vor unserem Haus deportiert wurde
von Mitarbeiterinnen des Jugendamtes Rhein-Pfalz-Kreis und des Ludwigshafener Zentrums für individuelle Erziehungshilfen (LuZIE).

Wie individuell diese Erziehungshilfe für das Kind  war,
zeigte sich weiterhin daran,
dass es von uns nicht etwa gleich in seine Herkunftsfamilie gebracht wurde,
sondern für zwei Monate in eine andere Pflegefamilie.

Durch einen Antrag auf Umgang mit dem Kind erfuhren wir,
dass das Kind schwer traumatisiert worden war durch diese 
individuelle Aktion für das Kindeswohl.

Wer hätte das gedacht?


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Dienstag, 15. Juli 2014

Nehmen wir an...

Nehmen wir an, ein Kind wird mit einer besonderen gesundheitlichen Situation geboren und ist dadurch über die ersten sieben bis acht Monate seines Lebens intensiver medizinischer Versorgung ausgesetzt.
Nehmen wir an, die leiblichen Eltern des Kindes nehmen aus verschiedenen Gründen nur in geringem Maß an dieser intensiven Lebensphase ihres Kindes teil.
Nehmen wir an, den behandelnden Ärzten und den das Kind versorgenden Schwestern und Pflegern fällt diese Abwesenheit sowie das geringe Einfühlungsvermögen der Eltern bei den seltenen Besuchen so stark auf, dass sie das Jugendamt darüber informieren.
Nehmen wir an, das Jugendamt nimmt fürsorglich dieses Kind in Obhut und bringt es in eine erfahrene Pflegefamilie.
Nehmen wir an, das Kind beginnt in der Pflegefamilie, sein intensivmedizinisches Leben einzutauschen gegen intensives Beziehungsleben, wodurch es recht eigentlich erst anfängt zu leben und gedeihender fröhlicher Säugling zu sein.

Nehmen wir an, man denkt, das Kind sei ein Auto, das man nach erfolgter Reparatur zurück in die Herkunftsgarage bringt.
Nehmen wir mal an...

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In wenigen Minuten alles gesagt über die Mängel und Vergehen im Pflegekinderwesen hat
Professor Dr. Ludwig Salgo, Stiftung zum Wohl des Pflegekinds, in diesem Interview.

Den Film zum Interview gibt es hier: "Familie auf Abruf - ein Zuhause für Pflegekinder".


 



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Montag, 16. Juni 2014

weiteratmen



Vor zwei Tagen, Kind, habe ich die Badetasche ausgeräumt.
Sie stand, seit du weg bist, unangetastet...
...griffbereit, um schnell einen Ausflug ins Schwimmbad zu machen,
wie wir es oft taten.
Deine Schwimmflügel steckten auch dabei,
noch prall voll mit Luft von vor anderthalb Jahren.
Sie trägt noch, siehst du, Kind!



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Samstag, 3. Mai 2014

Mir träumte in der Nacht,


dass wir uns weinend in die Arme fielen, 
das Kind und ich.

Ich war in einem Raum, eine Art Besucherzimmer vielleicht -
es kann sein, dass einige Spielsachen in einer Ecke standen -
und das Kind wurde gebracht
an der Hand einer großen, schmalen Frau.

Er trug eine dicke Winterjacke.
Sie erinnert mich an eine Jacke,
die mein großer Sohn als Kleinkind trug.

Das Kind im Traum ist bleich mit ängstlichen, fast stumpfen Augen.
Dann sieht es mich.
Es hält die Hand der schmalen Frau fest und blickt unsicher zu ihr hoch.
Dann weint es,
und ich weine.
Wir schließen uns in die Arme.


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Wegen einer Untersuchung verbrachten das Kind und ich am 4. Oktober 2012 eine Nacht im Krankenhaus.

Es hatte beim Aufnahmegespräch eine Szene gegeben,
die so gravierend war,
dass der diensthabende Arzt das dem Jugendamt Rhein-Pfalz-Kreis meldete
und im Entlassbericht ausführlich vermerkte.
Der Vormund des Kindes beim Jugendamt sowie die Mitarbeiter des Ludwigshafener Zentrums für individuelle Erziehungshilfen waren also darüber informiert.


Wie alle Warnreaktionen des Kindes auf den drohenden Abbruch 
seiner vierjährigen Lebensbindung an uns, seine soziale Familie,
wurde auch dieser "Schrei" ignoriert.

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Donnerstag, 1. Mai 2014

Wegbegleiter


Klaudia schreibt:

"Ich hab noch ein paar Worte zum Tag des Baums gefunden. 
Es betrifft die beiden Ahornbäumchen, die wir/ich im letzten Herbst hier vor unserem Firmengelände gepflanzt habe(n). 
Eines davon habe ich dem Kind und das andere Luis gewidmet. 
Wir waren der Meinung, dass es zwei gleiche Baumsorten waren,
 jedoch jetzt im Frühling zeigt sich, dass beide zwar Ahorn sind, 
aber irgendwie sehr unterschiedlich heranwachsen. 
Der eine ist etwas kleiner als der andere und Luis' Baum (links im Bild) trägt noch immer die Samen 
und will sie gar nicht abwerfen. 
Der Baum des Kindes (rechts im Bild) treibt schon enorm aus, 
wird bald Blätter tragen. 
Ich habe ein wenig recherchiert und herausgefunden, 
welche Bedeutung der Ahorn in der Mythologie hat. 
Er steht für Harmonie und Vereinigung von Gegensätzen. 
Er verbreitet Ruhe und Gelassenheit und verhilft zu klaren und offenen Gedanken. 
Er ist eine heitere und lustige Baumart. 
Man sagt ihm auch nach, dass er böse Geister vertreiben kann. 
Er kann den Menschen helfen, Hoffnungen und Träume zu erfüllen.

In diesem Sinne mögen sich in diesen beiden Symbolen für das Kind und Luis 
eure Hoffnungen und Träume erfüllen. 
Manchmal denke ich und glaube zu spüren, 
dass auch auf der anderen Seite des Kindes es nicht ganz so gewollt ist, 
dass der Kleine euch nicht mehr sehen kann, 
aber irgendwelche Hemmungen, vielleicht auch Ängste es nicht ermöglichen, 
die Brücke zu euch zurück zu bauen. 
Auf den Bildern, die heute erschienen sind von deiner Tochter und dem Kind 
ist es so klar ersichtlich,
 dass hier so gute und wundervolle Bindungen an seine soziale Familie bestanden haben und hoffentlich in ihrer Essenz noch immer vorhanden sind. 
Und das Kind denkt an euch, das ist gewiss!!"





 Durch Roswitha erreichte uns dieses Bild:
Ausschnitt aus "Lukas" von Marion Antoinette Wiedmann



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