Sonntag, 12. April 2015

radlos in Ulm





8:20 Uhr fährt die S-Bahn von Lambrecht nach Mannheim;
erster Zwischenstopp bis zur Abfahrt des ICE nach Ulm.





Diesmal ist der ICE verspätet.





In Ulm nutze ich den morgentlichen Aufenthalt für einen Spurt Richtung Münster.







































Der Regionalexpress kommt um 13:26 Uhr an.





Zur verabredeten Zeit um 14 Uhr bin ich dort.






Ei - le mit Wei - le :-) ...






Um 17 Uhr ist der Besuch zu Ende.






Füße vertreten in der Innenstadt.










Nun am Abend ist der Regionalexpress nach Ulm verspätet.






Also nochmal Ulm,
denn der geplante ICE nach Mannheim ist weg.






Diesmal nur Weitblick auf den Turm des Münsters,
den höchsten Kirchturm der Welt.






Und ein Blick aus der Bahnhofsbuchhandlung...






Klingelt's jetzt?



*

Wir sitzen zum Bilderbuchlesen auf dem Sofa.
Plötzlich steigt das Kind hinter mich 
und klettert auf meine Schultern,
sitzt nun dort,
seine Finger wuscheln in meinen Haaren.
"Jetzt bin ich auf dem Dicken-Stein-Turm!", sagt er.

(Das ist ein Turm, der auf einen dicken Stein 
im Lambrechter Wald gebaut wurde,
nicht ganz so hoch wie das Ulmer Münster,
doch ebenfalls aussichtsreich.)





Kurz vor Mitternacht bin ich wieder zu Hause.





Dienstag, 7. April 2015

Ostersterne

Ende letzten Jahres sprach ich im Rahmen einer Supervision wegen eines anderen Pflegekindes mit dem Psychotherapeuten auch über das bevorstehende Wiedersehen mit dem HerzBaumKind. Der Psychotherapeut hat selbst drei Pflegekinder großgezogen.
Aus dieser Erfahrung und seinen Fachkenntnissen heraus sagte er: "Wenn das Kind Sie sieht, wird es sein, als lege es einen Hebel um, und die Erinnerungen an Sie und die positiven  Erlebnisse aus den vier Jahren werden wieder da sein. Es wird nach und nach das erfahrene Leid bei Ihnen abreagieren und so die dramatischen Erlebnisse aufarbeiten können."

Es geschah so, dass das Kind "den Hebel umlegte" (siehe den Post vom blauen Stuhl) und auch schon bald fragte, ob er denn wieder bei uns wohnen könne.
Vielleicht war es zu früh, dass ich ihm sagte, unsere Tür sei offen für ihn.

Ende März gab es ein gemeinsames Gespräch mit dem Vormund des Kindes und Mitarbeitern der Einrichtung, in der das Kind derzeit lebt.
In dieser Runde erfuhr ich, dass das Kind weniger "brav" sei, seitdem der Kontakt zu uns wieder aufgenommen wurde. Auf die Frage nach seinem Wohnort habe er außerdem  "Lambrecht" (da wohnen wir) geantwortet.
Ich wurde gebeten, dem Kind zu bestätigen, dass sein Lebensmittelpunkt derzeit in der Einrichtung sei und ihn dort einmal pro Monat zu besuchen.-

"Ich schicke dir einen Stern, der fällt in deinen Traum in der Nacht und leuchtet in dir am Tag", sage ich, als ich ihm Auf Wiedersehen sage.
"Ich schicke dir auch einen Stern!", ruft er.
Und fügt hinzu: "Aber nach K. schicke ich keinen. Die waren frech."

Er sagt nur "frech".
Wir wissen mittlerweile, welche Demütigungen er damit meint.






Mittwoch, 1. April 2015

Der blaue Stuhl

Ich treffe das Kind am siebten Februar 2015.
Seit unserem letzten gemeinsamen Nachmittag sind zwei Jahre, drei Monate und vierzehn Tage vergangen.
Als ich das Haus betrete, steht er dort im roten Pullover. Aus seinen Augen blitzt Freude, die noch nicht in eine Bewegung des Körpers überspringt.
Ich gehe auf ihn zu und beuge mich nieder. "Man kann einen Stuhl in einen Helikopter verwandeln", sagt er, und ich antworte: "... sagte Herr Schwärzlich."
Wir hatten das Buch "Der blaue Stuhl", aus dem dieses Zitat stammt, oft miteinander gelesen.
Er weiß also noch.
Später im Garten klettert er auf einen Berg aus Schnee, der dort geschoben liegt.
Es braucht ein paar Versuche, bis er auf dem kleinen Gipfel steht. "Ich hab's geschafft!" Mit leiser Stimme sagt er das; kein Triumphgeschrei.
Im Zimmer lassen wir Autos sausen. Wie Gedanken flitzen sie wortlos zwischen uns hin und her. "Ich bin froh, dass du da bist", sagt er, auch wieder mit dieser leisen Stimme, die ganz von innen kommt.
"Kann ich dich besuchen? Kann ich bei dir übernachten?"
Er setzt sich auf meinen Schoß, den Rücken zu mir gewendet. Diese Nähe geht. Sie fällt ihm leichter als eine Umarmung.
"Wann kommst du wieder? Morgen? Nächstes Wochenende?"








Sonntag, 29. März 2015

zwischenzeitlich

 

Zwischen dem Alten
Zwischen dem Neuen,
Hier uns zu freuen
Schenkt uns das Glück,





Und das Vergangne
Heißt mit Vertrauen
Vorwärts zu schauen,
Schauen zurück.







Stunden der Plage,
Leider, sie scheiden
Treue von Leiden,
Liebe von Lust;







Bessere Tage
Sammeln uns wieder,
Heitere Lieder
Stärken die Brust.






Leiden und Freuden,
Jener verschwundnen,
Sind die Verbundnen
Fröhlich gedenk.





O des Geschickes
Seltsamer Windung!
Alte Verbindung,
Neues Geschenk!





 
Dankt es dem regen,
Wogenden Glücke,
Dankt dem Geschicke
Männiglich Gut;






Freut euch des Wechsels
Heiterer Triebe,
Offener Liebe,
Heimlicher Glut!






Andere schauen
Deckende Falten
Über dem Alten
Traurig und scheu;






Aber uns leuchtet
Freundliche Treue;
Sehet, das Neue
Findet uns neu.






So wie im Tanze
Bald sich verschwindet,
Wieder sich findet
Liebendes Paar,






So durch des Lebens
Wirrende Beugung
Führe die Neigung
Uns in das Jahr. 




Johann Wolfgang von Goethe






Montag, 2. März 2015

Sehstärke


Das hast du fotografiert, Kind,
als wir uns gemeinsam die Basilika in Kempten ansahen.


Heute war ich mit dem kleinen Luis in Heidelberg in der Klinik.
Dort wurden seine Augen untersucht.
Vor der Heimfahrt entdeckten wir dies an der Außenwand der Klinikkapelle:


Das Tuch mit dem Gold, gefertigt von Herrn Dao Zi aus Beijing/China,
wie es in dieser Zeit in vielen Kirchen hängt.
In einem kleinen Buch stand dazu:


Immer wieder
muss ich dich verlassen

muss es wagen
mich frei zu schwimmen
Pflichtprogramm Solo Performance

die anderen
sehen zu
manchmal
schauen sie mich an

ich gebe mein Bestes
schwimme tapfer
gegen den Strom

Nachts
träume ich
von deinem goldenen Strand



Ricarda Moufang



*